Darum lebt Thomas L. Kemmerich seit dem Mauerfall in Thüringen

Der Spitzenkandidat der Freien Demokraten, Thomas L. Kemmerich, lebt seit 30 Jahren in Erfurt. Hier lesen Sie, wie der Mauerfall und die friedliche Revolution sein Leben verändert haben.

 

Thomas L. Kemmerich im Jahr 1990

 

Herr Kemmerich, was hat Sie 1989 nach Thüringen geführt?

Vor dem Mauerfall war Ostdeutschland ein unbeschriebenes Blatt für mich. Ich kannte nur Ostberlin, weil mich dort eine typische Schulabschlussfahrt hingeführt hatte. Im Juni 1989 war ich dann mit einem Freund, Frank Löffler, den ich während meines Jura-Studiums in Bonn kennengelernt hatte, das erste Mal in Erfurt. Ich war fasziniert von der Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. Nach meinem Erfurt-Besuch wollte ich unbedingt wiederkommen. Wir hatten dann zufällig das Wochenende 10. und 11. November ins Auge gefasst. 

 

Und wie haben Sie dann den Mauerfall erlebt?

Am 9. November 1989 habe ich zunächst gebannt im Fernseher verfolgt, wie die Mauer fällt. Zusammen mit Frank bin ich dann noch in der Nacht ins Auto gesprungen und in Richtung Erfurt aufgebrochen. Wir waren am nächsten Tag um 6:30 Uhr am Grenzübergang Herleshausen. An diesem Morgen saßen wir gefühlt im einzigen Auto, das vom Westen in den Osten wollte - und nicht umgekehrt. Den Wahnsinn ab dem 10. November 1989 dort mittendrin erlebt zu haben, das bleibt einfach unvergesslich. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an diesen Tag zurückdenke.

 

FDP-Spitzenkandidat Thomas L. Kemmerich

 

Und dann sind Sie in Erfurt geblieben?

Ja. Es drehte sich alles sehr schnell: Aus "ich guck mal rüber" ist in Erfurt ziemlich flott mein Lebensmittelpunkt geworden. Um die Jahreswende 1989/90 hatte ich vor angehenden Unternehmern beim Demokratischen Aufbruch einen Vortrag über Soziale Marktwirtschaft gehalten. Am 4. Januar 1990 haben Frank und ich ein Ladenlokal gemietet und eine Unternehmensberatung gegründet, um genossenschaftliche Betriebe für die Anforderungen der Marktwirtschaft umzuwandeln. Wir haben ein Schild an die Wand geschraubt und konnten uns vor Aufträgen kaum retten. Nach einem halben Jahr hatten wir schon 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

 

Thomas L. Kemmerich beim Demokratischen Aufbruch 1990

 

Was hat die damalige Aufbruchseuphorie im Osten ausgemacht?

Ich wollte immer Unternehmer werden. Aber im Westen hatte ich als junger Mensch immer das Gefühl, dass man nur aufrücken kann, wenn jemand Älteres Platz macht. In Erfurt fragten die Menschen nur nach dem Können. Wir konnten einfach durchstarten. Ich wurde Teilhaber und Geschäftsführer des ehemaligen Dienstleistungskombinates „Friseur & Kosmetik”. Noch heute bin ich Vorstandsvorsitzender der Friseur Masson AG mit 20 Geschäften und 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

 

Fühlen Sie sich heute eher als Wessi oder Ossi?

Ich mag beide Begriffe nicht. Was mir wichtig ist, ist gelebte Heimat. Und dass man den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Ich habe versucht, nie den Besser-Wessi raushängen zu lassen und im Gegenzug immer Vertrauen geschenkt bekommen.

 

Thomas L. Kemmerich

 

Haben Sie nicht manchmal Wehmut nach Ihrer alten Heimat?

Nun bin ich seit 30 Jahren in Erfurt und habe es keine Sekunde bereut. Meine Frau ist Erfurterin und zusammen mit unseren sechs Kindern sind wir hier in Thüringen verwurzelt. Nur der Karneval zieht mich ab und an ins Rheinland zurück.

 

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Thomas L. Kemmerich ist für seine Stiefel bekannt. Erfahren Sie hier, warum. 

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